Man ist müde, möchte eigentlich entspannen – und trotzdem läuft der Körper weiter auf Hochtouren. Die Gedanken kreisen, die Muskeln fühlen sich angespannt an und selbst auf dem Sofa stellt sich keine richtige Ruhe ein. Gerade nach längeren Stressphasen kennen viele Menschen dieses Gefühl.
Häufig fällt in diesem Zusammenhang der Begriff Vagusnerv. In sozialen Medien findet man zahlreiche Tipps, mit denen sich der Vagusnerv angeblich innerhalb weniger Minuten „resetten“ oder beruhigen lässt. Ganz so einfach funktioniert unser Nervensystem allerdings nicht.
Trotzdem spielt der Vagusnerv eine wichtige Rolle bei der Regulation von Stress und Erholung. Neben Atemübungen und Bewegung gibt es inzwischen auch nicht-invasive Technologien wie Nurosym, die den Vagusnerv gezielt über das Ohr stimulieren.
Was hat der Vagusnerv mit Stress zu tun?
Der Vagusnerv gehört zum parasympathischen Teil des autonomen Nervensystems. Dieses reguliert zahlreiche Prozesse automatisch – beispielsweise Herzfrequenz, Atmung, Verdauung und Erholung.
Vereinfacht gesagt unterstützt der Sympathikus den Körper dabei, aktiv und leistungsbereit zu sein. Bei Stress steigt diese Aktivierung. Der Parasympathikus unterstützt dagegen Prozesse, die mit Ruhe, Verdauung und Regeneration zusammenhängen.
Das Ziel eines gesunden Nervensystems ist deshalb nicht, den Sympathikus dauerhaft auszuschalten. Entscheidend ist die Fähigkeit, flexibel zwischen Aktivierung und Erholung wechseln zu können.
Bei länger anhaltendem Stress kann genau dieser Wechsel schwieriger werden. Obwohl keine unmittelbare Belastung mehr vorhanden ist, fühlt man sich möglicherweise weiterhin angespannt oder innerlich unruhig.
Wer solche Zusammenhänge genauer verstehen möchte, kann sich damit beschäftigen, wie sich das Nervensystem beruhigen und seine natürliche Regulationsfähigkeit unterstützen lässt.
Kann man den Vagusnerv selbst beruhigen?
Streng genommen geht es weniger darum, einen einzelnen Nerv „ruhigzustellen“, sondern darum, Bedingungen zu schaffen, welche die parasympathische Regulation unterstützen.
Einige einfache Methoden lassen sich gut in den Alltag integrieren.
Langsam und gleichmäßig atmen
Die Atmung ist besonders interessant, weil sie automatisch abläuft und gleichzeitig bewusst verändert werden kann. Langsames, rhythmisches Atmen wird mit parasympathischer Aktivität und Veränderungen der Herzfrequenzvariabilität (HRV) in Verbindung gebracht.
Dabei muss man keine komplizierte Atemtechnik beherrschen. Ein angenehmer, regelmäßiger Rhythmus und eine etwas längere Ausatmung können bereits Teil einer persönlichen Entspannungsroutine sein.
Sanfte Bewegung
Auch Bewegung kann helfen, nach längeren Phasen der Anspannung einen Übergang zu schaffen. Ein Spaziergang, leichtes Dehnen oder ruhiges Yoga sind einfache Möglichkeiten.
Es muss dabei nicht um sportliche Leistung gehen. Gerade nach einem stressigen Tag kann sanfte Bewegung vielmehr ein Signal dafür sein, dass die Phase hoher Anforderungen beendet ist.
Weniger Reize
Wer den ganzen Tag zwischen E-Mails, Terminen und Benachrichtigungen gewechselt hat und abends direkt zu Social Media und Nachrichten übergeht, gönnt seinem Gehirn nur begrenzt eine Reizpause.
Eine ruhigere Umgebung, weniger Bildschirmzeit und regelmäßige Erholungsphasen können deshalb ebenfalls sinnvoll sein.
Kann man den Vagusnerv elektrisch stimulieren?
Neben solchen alltäglichen Methoden untersucht die Forschung auch die gezielte elektrische Stimulation vagaler Nervenfasern.
Besonders interessant ist die Vagusnervstimulation am Ohr. Bei der sogenannten transkutanen aurikulären Vagusnervstimulation (taVNS) werden schwache elektrische Impulse über bestimmte Bereiche des Außenohrs abgegeben.
Dort verläuft der aurikuläre Ast des Vagusnervs. Dadurch lässt sich vagale Signalgebung nicht-invasiv ansprechen, ohne dass ein Gerät operativ implantiert werden muss.
Was ist Nurosym?
Nurosym ist ein von Parasym entwickeltes, CE-gekennzeichnetes, nicht-invasives Wearable zur aurikulären Vagusnervstimulation. Es wird am Ohr angewendet und basiert auf der AVNT™ – Auricular Vagal Neuromodulation Technology.
Interessant ist vor allem die Forschung hinter der Technologie. Das Forschungsökosystem von Parasym umfasst mehr als 60 abgeschlossene wissenschaftliche Studien, über 100 laufende Studien und mehr als 150 Forschungspartner.
In Studien mit AVNT wurden außerdem Veränderungen verschiedener physiologischer und erholungsbezogener Messwerte beobachtet.
Je nach Studienpopulation und untersuchtem Endpunkt wurden bis zu rund 61 % höhere Marker vagaler Aktivität, bis zu rund 48 % niedrigere Fatigue-Scores und bis zu rund 31 % bessere Schlafqualitätswerte berichtet.
Diese Zahlen bedeuten nicht, dass jeder Nutzer dieselben Ergebnisse erzielt. Die beobachteten Effekte unterscheiden sich abhängig von untersuchter Population, Endpunkt und Stimulationsprotokoll.

Was hilft also wirklich?
Den einen Trick, mit dem sich der Vagusnerv sofort „resetten“ lässt, gibt es nicht. Sinnvoller ist es, Stressregulation als Zusammenspiel verschiedener Gewohnheiten und physiologischer Prozesse zu betrachten.
Ruhige Atmung, Bewegung, weniger Reizüberflutung, ausreichend Erholung und ein regelmäßiger Tagesrhythmus können dazu beitragen. Nicht-invasive Vagusnervstimulation bietet zusätzlich eine technologische Möglichkeit, vagale Signalwege gezielt anzusprechen.
Das langfristige Ziel ist dabei nicht, ständig vollkommen entspannt zu sein. Ein anpassungsfähiges Nervensystem sollte vielmehr beides können: bei Bedarf aktiv werden und anschließend wieder in Richtung Ruhe und Erholung zurückfinden.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Nurosym ist ein nicht-invasives Gesundheits-Wearable und ist nicht dazu bestimmt, Erkrankungen zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern. Bei anhaltender innerer Unruhe oder Angst, implantierten elektronischen Geräten oder relevanten Vorerkrankungen sowie bei Fragen dazu, ob eine Vagusnervstimulation für Sie geeignet ist, wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte medizinische Fachperson.

